Schneller Sprachen lernen

In diesem Beitrag gebe ich einige höchst subjektive Tipps, wie man möglichst schnell eine Fremdsprache erlernen kann, denn Fremdsprachenkenntnisse sind nützlich für Schüler, Geschäftsleute, Reisende und überhaupt jeden, der im Ausland nicht stumm und dumm in der Ecke herumstehen will.

Neulich besuchten wir einen Kongress in Italien. Der fand statt in der Nähe von Neapel (sehr interessante Stadt!). Weil die Italiener sich mit Fremdsprachen schwer tun (das liegt am Schulsystem, sagte man mir), war ich alte Plaudertasche zu tumben Schweigen verdammt und kapierte mal wieder gar nichts. Das war nicht schön. Also beschloss ich, diese Sprache endlich zu lernen, zumal wir öfters in Italien Urlaub machen. Das sollte aber nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen. Also benutze ich derzeit eine Methode, die sich vor einigen Jahren schon einmal bewährte.

Ende der 80er* arbeitete ich in Kalifornien und stellte irgendwann einmal fest (nämlich als das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens stattfand, und mir sämtliche Worte fehlten, um mit meinen Bekannten dort darüber zu reden), dass mein Englisch zu schlecht war für komplexere Themen. Das musste ich ändern. Nach einigem Suchen fand ich eine Software (auf Diskette!), mit der man Vokabeln lernen konnte. Das dahinterliegende Prinzip nennt sich „flash cards“. Es ist die bekannte Methode, auf der Vorderseite einer Karte eine Frage zu schreiben und auf die Rückseite die Antwort. Man arbeitet einen Stapel dieser Karten durch und die Karten, die man nicht beantworten kann, kommen auf einen eigenen Stapel, den man dann nochmals (und nochmals und nochmals…) durcharbeitet, bis man alle Fragen beantworten kann. Die Wikipedia erkärt das Prinzip besser als ich: de.wikipedia.org/wiki/Lernkartei.

Diese sehr gute Software war in der Programmiersprache „Basic“ geschrieben. Ich erweiterte sie ein wenig um sie zu optimieren, tippte tausende von Vokabeln aus Büchern ab (damals konnte man noch keine Vokabellisten herunterladen), gab sie in die Software ein und legte los. Mit dieser Software gelang es mir damals (mit Anfang 30), rund 2000 Worte pro Monat zu lernen. Mein Ziel war es, jedes Wort, dass ich auf Deutsch sagen konnte, auf Englisch sagen zu können. Dem kam ich ziemlich nahe, die Sache war also ein voller Erfolg.

Also benutze ich dieselbe Methode jetzt wieder, um Italienisch zu lernen. Weil das „Basic“ auf meinem PC nicht mehr funktioniert, habe ich das Programm völlig neu in der Programmiersprache „Python3“ geschrieben. Das hat den Vorteil, dass man es nicht installieren muss. Ich habe es auf einen USB-Stick kopiert und kann damit an all meinen Rechnern (zuhause und in der Pause in der Firma) arbeiten. Außerdem läuft das Programm (ich nenne es „FlashCards“) außer auf Linux, wofür ich es geschrieben habe, auch unter Windows und Mac. Es ist überhaupt nicht hübsch, man kann es nicht mit der Maus bedienen; es ist aber ein sehr effizienter „Drill-Meister“ für Vokabeln. Falls Sie es haben wollen, schenke ich es Ihnen gerne.
Optisch ansprechendere Programme als meines finden Sie im Internet unter dem Stichwort „Flash Cards“. Manche haben sogar eine Sprachausgabe, so dass man hören kann, wie ein Wort ausgesprochen wird. Für unterwegs gibt es auch welche für Smartphones.


Ich teile meine Aufgabe, also eine Sprache zu lernen, in drei Blöcke auf, und zwar in dieser Priorität:

– Vokabeln

– Grammatik

– Aussprache

Alle drei Komponenten sind wichtig, aber am wichtigsten sind mit Abstand die Vokabeln, denn selbst, falls ich etwas falsch ausspreche, wird man mich möglicherweise verstehen (und zumindest lesen kann ich es). Uns selbst, wenn ich die Grammatik nicht verstehe, ist es mir wichtiger, dass ich überhaupt etwas sagen kann („Doktor, ich Insulin brauchen!“), als dass ich formvollendet nur einen Latte Macchiato bestellen kann. Und zum Vokabel lernen ist ein „flash cards“ Programm ganz hervorragend geeignet.

Irgendwann kommt man um die Grammatik (mit der ich mich schwer tue!) nicht herum; ich lerne sie in der Tat parallel zu den Vokabeln. Manche Bücher versprechen hier mehr als sie halten (z. B. „Italienisch für Dummies“). Ich benutze derzeit unter anderem Bücher von PONS und Langenscheidt, die jeweils andere Stärken und Schwächen haben, also brauche ich beide. Mein Tipp diesbezüglich ist also, probeweise mit mehreren Sprachkursen gleichzeitig zu arbeiten, um dann den geeignetsten zu behalten. Glück hat hier, wer eine gut ausgestattete Stadtbücherei am Ort hat.

Um die Aussprache zu erlernen, gehe ich mehrere Wege. Die üblichen PC-Programme (z. B. von Langenscheidt) sind mir zu langweilig (aber das ist mein persönliches Problem – schlecht sind die sicher nicht). Ich habe mir deshalb einige Spielfilme mit italienischer Tonspur und Untertiteln besorgt. So lese ich die Worte und höre gleichzeitig, wie sie ausgesprochen werden. Sehr genau entsprechen sich Untertitel und gesprochene Sprache übrigens in Opern, bei Spielfilmen, so fand ich, ist die Übereinstimmung oft eher mau. Falls Sie Englisch lernen wollen haben Sie mehr Glück: die englischen Untertitel sind meist sehr gut.

Bei Langenscheidt (sicher auch anderswo) gibt es einen Vokabeltrainer in Form von mp3-Dateien. Die habe ich auf mein Telefon kopiert, so dass ich während der Spaziergänge mit dem Hund Vokabeln und Aussprache trainieren kann.

Eine interessante App für Smartphones ist Duolingo. Mit der lernt man recht spielerisch Sprachen. Sie hat eine Sprachausgabe, so dass man hören kann, wie die Worte und Sätze ausgesprochen werden. Vokabeln und Grammatik lernt man durch üben, raten und ausprobieren.
Das macht Spaß, aber die Beschränkungen sind klar: Zum Einen braucht man zusätzlich eine vernünftige Einführung in die Grammatik (wie gesagt, ich verwende hier PONS und Langenscheidt), zum Anderen lernt man nicht genügend Vokabeln. Deshalb ist mein Hauptwerkzeug, um Vokabeln zu lernen, das „FlashCards“ Programm.

Der Grundwortschatz für Deutsch sind laut Wikipedia „… für das gegenwärtige Deutsch 1285 Wörter, mit deren Hilfe je nach Textsorte zwischen 85,9% und 92,2% der Texte verständlich sind“. Das dürfte ähnlich für viele Sprachen sein. Dazu kommen aber die abgeleiteten Formen („ging“, „gegangen“) und sonstige Besonderheiten, so dass ich eher davon ausgehe, 3000 bis 4000 Worte lernen zu müssen. Begonnen habe ich damit Anfang Dezember. Mein Ziel ist es, im März die Sprache „zu können“. Ich stelle bereits fest, dass mein Hirn träger ist als damals. Schauen wir mal, wie‘s läuft.

* Ach, waren das unschuldige Jahre! Man konnte damals bei Flügen von USA ohne geschimpft zu bekommen die noch halbvollen Flaschen mit Camping-Gas im Handgepäck mitnehmen. Und als ich mit dem Auto, das meine Firma mir gemietet hatte (ein Ford Mustang Cabrio mit 5 Litern Hubraum) in der Gegend umherfuhr, machte ich mir keine Sekunde lang Gedanken um den bizarren CO2-Ausstoß dieser Kiste.

P.S.:  Falls Sie mein „FlashCards“ haben möchten:  Damit es läuft, müssen Sie „Python3“ und „ncurses“ auf Ihrem PC installieren können. Die Menüs und die Erklärungen sind derzeit in Englisch.
Hier sind zwei Screenshots:

 

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